Zum Inhalt springen
ROLLV
Alle Artikel
ROLLVO Blog

Rollladen bei Sturm: hoch oder runter?

6 Min. Lesezeit

Rollladen bei Sturm: hoch oder runter?

Ein intakter, korrekt geführter Rollladen gehört bei reinem Sturm grundsätzlich komplett herunter – nie auf Halbmast, denn dann kann der Wind unter den Panzer greifen und ihn aus der Schiene reißen. Bei Hagel fällt die Antwort differenzierter aus: Robuste Aluminium-Rollläden schützen die Scheibe am besten geschlossen, während dünne oder ältere PVC-Rollläden dabei selbst durchschlagen werden können. Entscheidend ist in beiden Fällen der Zustand – lose Schienen oder fehlende Endlaufstopper machen aus dem Schutz selbst ein Sturmrisiko.

Rollladen bei Sturm: hoch oder runter?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät bei Unwetterwarnungen allgemein, Fenster- und Rollläden zu schließen. Fach- und Verbraucherportale wie Verivox und mehrere Rollladenhersteller konkretisieren das zu einer einfachen Faustregel: Ein Rollladen muss bei Sturm entweder ganz hochgefahren oder vollständig heruntergelassen sein – niemals auf Halbmast stehen bleiben. Ein nur teilweise geschlossener Panzer bietet dem Wind eine Angriffsfläche unter der Unterkante, und auch offen stehende Lüftungsschlitze wirken wie ein Hebel: Der Wind presst sich hinein und kann den Panzer aus der Führungsschiene drücken.

Für reinen Wind ohne Hagel ist die Empfehlung eindeutig: schließen. Ein vollständig heruntergelassener, robuster Panzer wirkt als geschlossene Fläche und schützt die Scheibe vor herumfliegenden Ästen, Dachziegeln oder Gartenmöbeln – vorausgesetzt, Schienen und Endlaufstopper sind intakt. Fehlen Endlaufstopper oder ist eine Schiene bereits verzogen, kann genau dieser Windstoß den Panzer aus der Führung heben, wie auch unser Beitrag zum schief hängenden Rollladen zeigt. Ein weiterer, in der Praxis unterschätzter Vorteil elektrischer Antriebe: Modelle mit Windsensor fahren den Rollladen automatisch herunter, sobald ein eingestellter Windgrenzwert überschritten wird – unabhängig davon, ob gerade jemand zu Hause ist. Ein gurtbetriebener Rollladen muss dagegen rechtzeitig von Hand geschlossen werden, bevor der Sturm tatsächlich da ist.

Rollladen bei Hagel: schützt er die Scheibe – oder wird er selbst beschädigt?

Bei Hagel wird die Materialfrage entscheidend. PVC-Lamellen sind bei starkem Wind ausreichend stabil, aber vergleichsweise dünnwandig – große Hagelkörner können sie einreißen oder sogar durchschlagen, sodass ein geschlossener PVC-Panzer die Scheibe dann kaum noch schützt. PU-geschäumtes Aluminium ist deutlich widerstandsfähiger: Hagel hinterlässt hier in der Regel nur Dellen, ähnlich wie auf einem Autodach, statt Risse oder Löcher – die Lamelle bleibt geschlossen und schützt die Scheibe zuverlässig weiter (mehr zum Unterschied im Beitrag Alu oder PVC: der Materialvergleich). Genau deshalb gehen die Empfehlungen für PVC-Rollläden bei reinem Hagel auseinander: Einige Fachportale raten, ältere oder dünne PVC-Panzer bei Hagel eher hochzufahren, um den Panzer selbst vor irreparablen Rissen zu bewahren – mit dem Nachteil, dass die Scheibe dann ungeschützt bleibt. Ein Nachweis-System wie das Hagelregister der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) in der Schweiz, das Bauteile einschließlich Rollladenpanzer nach Hagelwiderstand klassifiziert, existiert in Deutschland bislang nicht in vergleichbar verbindlicher Form.

In der Praxis kündigt sich Hagel fast immer zusammen mit Sturmböen an. Dann gilt die einfachere Regel: schließen, denn das Risiko eines Scheibenschadens durch fliegende Trümmerteile ist meist größer als das Risiko einzelner Dellen oder Risse im Panzer.

Windwiderstandsklassen nach DIN EN 13659: Wie viel Sturm hält Ihr Rollladen aus?

Seit dem 1. April 2006 ist DIN EN 13659 als Teil der CE-Kennzeichnung für Rollläden EU-weit verbindlich. Die Norm teilt Rollladenelemente in Windwiderstandsklassen 0 bis 6 ein, die im Windkanal geprüft werden. Klasse 0 bedeutet, dass keine Windwiderstandsleistung geprüft oder nachgewiesen wurde – ein solches Element ist für windexponierte Lagen ungeeignet. Je höher die Klasse, desto mehr Windlast hält der Panzer stand. Welche Klasse ein Gebäude tatsächlich benötigt, hängt von der regionalen Windlastzone, der Einbauhöhe und der Geländekategorie ab und wird vom Hersteller beziehungsweise Fachbetrieb anhand dieser Werte festgelegt.

KlasseWindbelastungTypische Eignung
0Nicht geprüftUngeeignet für windexponierte Lagen
1–2Gering bis moderatWindgeschützte Lagen, kleine Elemente
3–4SolideNormale Wohnlagen, die meisten Einfamilienhäuser
5–6Hoch bis sehr hochExponierte Lagen, Küste, Hochhäuser

Als Faustregel für ein normales Einfamilienhaus im Binnenland empfehlen Fachhändler, nicht unter Klasse 3 zu gehen; wer an der Küste, in Hanglage oder in größerer Gebäudehöhe wohnt, sollte gezielt nach Klasse 5 oder 6 fragen.

Zahlt die Versicherung bei Sturm- oder Hagelschaden am Rollladen?

Die Wohngebäudeversicherung übernimmt Schäden an fest verbauten Rollläden in der Regel, wenn sie durch Sturm ab Windstärke 8 (rund 62 km/h aufwärts) oder durch Hagel entstanden sind. Ob der Rollladen zum Zeitpunkt des Sturms oben oder unten war, spielt für den reinen Gebäudeschaden meist keine Rolle. Anders sieht es bei grober Fahrlässigkeit aus: Wer trotz konkreter Sturmwarnung Fenster offen lässt oder Markisen nicht einfährt, riskiert eine Kürzung oder Ablehnung der Leistung. Auch ein bereits marodes Führungsschienensystem oder ein erkennbar schlecht gewarteter Rollladen kann die Erstattung erschweren – ein zusätzlicher Grund, Schienen und Endlaufstopper vor der Sturmsaison zu prüfen, wie im Herbst-Check für Rollläden beschrieben.

Wichtig ist die Abgrenzung zum Elementarschaden: Schäden durch Starkregen, Überschwemmung oder Rückstau zählen nicht als Sturmschaden und sind nur mit einer separaten Elementarschadenversicherung abgedeckt. Normaler Verschleiß – ein poröser Gurt, eine gebrochene Feder – fällt ohnehin nie unter den Sturm- oder Hagelschutz. Melden Sie einen Schaden zeitnah, idealerweise innerhalb einer Woche, dokumentieren Sie ihn mit Fotos vor jeder Aufräumarbeit und sichern Sie sich im Zweifel eine Wetterdatenbestätigung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) als Nachweis der Windstärke.

Checkliste: Rollladen vor dem Sturm sturmfest machen

  • Rollladen bei angekündigtem Sturm ganz herunterfahren, keine Lüftungsschlitze offenlassen.
  • Bei reinem Hagel und älteren PVC-Panzern abwägen, ob Hochfahren den Panzer schont – bei begleitendem Sturm hat der Scheibenschutz Vorrang.
  • Markisen und Raffstores rechtzeitig einfahren, lose Gartenmöbel und Dekoration sichern.
  • Führungsschienen und Endlaufstopper schon vor der Sturmsaison prüfen, nicht erst wenn die Warnung kommt.
  • Bei Funk- oder Solarantrieb den Akkustand kontrollieren, damit sich der Rollladen im Ernstfall überhaupt noch schließen lässt.

Nach dem Sturm gilt: erst fotografieren, dann aufräumen. Ist der Schaden größer als eine einzelne Lamelle, lohnt sich vorab ein Blick in unseren Ratgeber Rollladen reparieren: Kosten, um Reparatur und Neubeschaffung realistisch einzuschätzen.

Preis in 5 Minuten statt Angebots-Pingpong: Im ROLLVO-Konfigurator sehen Sie den Festpreis für Ihren Rollladen nach Maß sofort – inklusive Mehrwertsteuer und Versand.

Festpreis statt Angebots-Pingpong

Maße eingeben, Optionen wählen, Preis sehen – in fünf Minuten, inklusive MwSt. und Versand.

Jetzt konfigurieren

Weiterlesen